PHÄLIKS - Phänomen Linksfahren auf mehrstreifigen Richtungsfahrbahnen - Maßnahmen und Empfehlungen zum Rechtsfahrgebot

Das Phänomen Linksfahren auf mehrstreifigen Richtungsfahrbahnen wurde im Rahmen dieses Projekts verkehrstechnisch, juristisch, psychologisch und soziologisch eingegrenzt. Mit einem Mix aus wissenschaftlichen Methoden (unter anderem LenkerInnen- und ExpertInnenfokusgruppen, Vor-Ort-Befragungen, Tiefeninterviews) wurde diesem Phänomen auf den Grund gegangen. Darauf aufbauend wurden Maßnahmen erarbeitet, die Pkw-LenkerInnen das Rechtsfahrgebot auf mehrstreifigen Richtungsfahrbahnen einhalten lassen.

Kurzbeschreibung

Ausgangssituation/Motivation

Das auf mehrstreifigen Richtungsfahrbahnen zu beobachtende Phänomen des Linksfahrens wirkt sich sowohl auf die Verkehrssicherheit als auch auf die Qualität des Verkehrsflusses negativ aus. Untersuchungen zur Ursache des Fehlverhaltens, zu möglichen Typen von LinksfahrerInnen und zu den Auswirkungen auf den Verkehrsablauf und die Verkehrssicherheit gibt es jedoch kaum. Das Linksfahren ist gesetzlich nur in § 7 Abs 1 StVO, dort aber hinsichtlich der „Zumutbarkeit" eher unscharf definiert.

Inhalte und Zielsetzungen

Ziel der bundesweiten LenkerInnenbefragung war die quantitative Abschätzung, vor allem aber die qualitative Erfassung des Linksfahrens. Meinungen und Überlegungen der LenkerInnen wurden mittels einer Befragungen vor Ort, an zwei Autobahnraststationen im Westen und im Osten Österreichs festgehalten.

Insbesondere wurde der Kenntnisstand der gesetzlichen Bestimmungen erhoben, wie häufig das Phänomen nach Einschätzung von Pkw-FahrerInnen auftritt, ob und wenn ja wann und welche Stress- und Gefahrensituationen dadurch entstehen und wie die Pkw-LenkerInnen damit umgehen.

Es wurden die Ursachen für das Linksfahren erforscht und um eine Selbsteinschätzung der LenkerInnen ersucht, inwieweit und wie häufig sie selbst auf einem linken Fahrstreifen verhaften, obwohl das Einordnen auf dem rechts angrenzenden Fahrstreifen angesichts der vorhandenen Verkehrsdichte möglich und laut StVO verpflichtend wäre. Des Weiteren wurden Möglichkeiten und Erfolgsaussichten von verschiedenen potenziellen Maßnahmen angesprochen.

Methodische Vorgehensweise

Im Rahmen von Fokusgruppen wurde das Phänomen des Linksfahrens auf mehrstreifigen Richtungsfahrbahnen verkehrstechnisch, juristisch, psychologisch und soziologisch erfasst und beschrieben. Je eine Lenkerfokusgruppe im Westen und eine im Osten Österreichs lieferten Erkenntnisse zum Wissensstand der VerkehrsteilnehmerInnen, zum Fahrverhalten, zur Qualität des Verkehrsflusses im Zusammenhang mit Linksfahren und zur Verkehrssicherheit.

In einer ExpertInnenfokusgruppe wurden die gesetzlichen Vorschriften, die Überwachung sowie die Sanktionierung des vorschriftswidrigen Verhaltens analysiert. Auch wurden mit den ExpertInnen mögliche Maßnahmen durchdacht und deren Erfolgsaussichten aus dem jeweiligen fachlichen Blickwinkel abgeschätzt.

Aufbauend auf der Auswertung der Fokusgruppen von LenkerInnen und ExpertInnen wurde ein Fragebogen für Kfz-LenkerInnen entwickelt.

Ergebnisse und Ausblick

Unter Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse der qualitativen und quantitativen Erhebungen wurden auf die unterschiedlichen Typen von LinksfahrerInnen abgestimmte Maßnahmenvarianten zur Beachtung des Rechtsfahrgebotes entwickelt.

Im Rahmen von Vertiefungsinterviews nach der Stated-Response-Technik wurde die Maßnahmenwirksamkeit bei praktizierenden LinksfahrerInnen, bei deren Auffindung mit Polizeiunterstützung gerechnet werden durfte, evaluiert. Dazu wurden die LinksfahrerInnen vertieft über ihre Motivation und über ihre Verhaltensänderungsbereitschaft befragt.

Nach Auswertung der Befragungsergebnisse wurden praktisch umsetzbare Modelle für Anreizmaßnahmen erarbeitet, um dem Phänomen des Linksfahrens erfolgreich begegnen zu können. Diese Modelle wurden mit der ExpertInnenrunde rückgekoppelt und evaluiert.

In Form einer „Umsetzungsliste" bzw. eines Maßnahmenkatalogs wurden die aussichtsreichsten Maßnahmen zusammengestellt:

  • Maßnahmen zur Erinnerung an das Rechtsfahrgebot vor Ort (Schilder am Straßenrand in Kombination mit Bodenmarkierungen oder Erinnerungstexte in Überkopfanzeigen) lassen die größte Wirksamkeit wie auch die beste Akzeptanz erwarten.
  • Die Möglichkeit einer automatisierten Überwachung des Rechtsfahrgebots durch Zuhilfenahme technischer Einrichtungen wäre zu prüfen.
  • Das Rechtsfahrgebot auf Autobahnen sollte außerdem verstärkt in der Fahrausbildung integriert werden.
  • Medienkampagnen, z.B. zum kürzlich eingeführten Rücksichtnahmegebot, sollten forciert und mit Informationen über das Rechtsfahrgebot kombiniert werden.

Wichtig bei der Umsetzung von Maßnahmen ist die Durchführung von Evaluierungsstudien.

Publikationen

PHÄLIKS - Phänomen Linksfahren auf mehrstreifigen Richtungsfahrbahnen - Maßnahmen und Empfehlungen zum Rechtsfahrgebot

Das Phänomen Linksfahren auf mehrstreifigen Richtungsfahrbahnen wurde im Rahmen dieses Projekts verkehrstechnisch, juristisch, psychologisch und soziologisch eingegrenzt. Mit einem Mix aus wissenschaftlichen Methoden (unter anderem LenkerInnen- und ExpertInnenfokusgruppen, Vor-Ort-Befragungen, Tiefeninterviews) wurde diesem Phänomen auf den Grund gegangen. Darauf aufbauend wurden Maßnahmen erarbeitet, die Pkw-LenkerInnen das Rechtsfahrgebot auf mehrstreifigen Richtungsfahrbahnen einhalten lassen. Dr. Christine Chaloupka-Risser, Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang J. Berger, Mag. Martin Hoffer, Dipl.-Ing. Ulrike Raich, Mag. Doris Wunsch, Mag. Karin Ausserer, Bakk.techn. Thomas Rothberger, Herausgeber: bmvit
Deutsch, 277 Seiten

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleitung

Dr. Christine Chaloupka-Risser - FACTUM Chaloupka&Risser OHG

Projektpartner

  • Mag. Martin Hoffer - AMTC
  • Ass.Prof. DI. Dr. Wolfgang J. Berger - Universität für Bodenkultur Wien - Institut für Verkehrswesen

Kontaktadresse

FACTUM Chaloupka&Risser OHG
Dr. Christine Chaloupka-Risser
Tel.: +43 (1) 504 15 46
E-Mail: christine.chaloupka@factum.at

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