Über Mobilität der Zukunft

Das österreichische FTI Förderungsprogramm Mobilität der Zukunft wurde vom bmvit für den Zeitraum 2012–2020 beschlossen. Im Bereich Mobilität der Zukunft gewinnen Sie einen Überblick über Inhalte und Ziele dieses Forschungs- und Technologieprogramms, über Eckdaten zur Bilanz und über die Evaluierung der Vorgängerprogramme. Sie finden eine Beschreibung der Themenfelder, Information zu den geförderten Forschungsprojekten und Projektberichte aus dem Programm. Weiters werden Sie über relevante Begleitaktivitäten informiert.

Inhalte des Programms Mobilität der Zukunft

Das Förderungsprogramm Mobilität der Zukunft initiiert ganzheitliche Lösungsansätze in Forschung, Technologie und Innovation (FTI) zur Sicherung der Mobilität bei gleichzeitiger Minimierung der negativen Auswirkungen des Verkehrs. Das Programm unterstützt Forschungsprojekte, die mittel- bis längerfristig wesentliche Lösungsbeiträge für mobilitätsrelevante gesellschaftliche Herausforderungen erwarten lassen und durch Innovationen Märkte ausbauen bzw. neue Märkte schaffen. Das Programm trägt zu einem Interessensausgleich zwischen Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft bei.

Mobilität der Zukunft ist die Weiterentwicklung der sehr erfolgreichen Vorgängerprogramme des bmvit (IV2S und IV2Splus mit den Programmlinien ways2go, A3plus und I2V). Das Programm baut auf das in den Vorjahren entstandene themenspezifische Wissen und den Kompetenzen der FTI-Community auf, richtet einen Fortführungspfad für erfolgsversprechende Initiativen ein, eröffnet aber auch einen Rahmen für völlig neue Ansätze in diesem Themenbereich.

Im Programm Mobilität der Zukunft werden seit 2012 Forschungsprojekte in folgenden vier Themenfeldern unterstützt.

  • Personenmobilität innovativ gestalten
  • Gütermobilität neu organisieren
  • Fahrzeugtechnologien alternativ entwickeln
  • Verkehrsinfrastruktur gemeinsam entwickeln

Seit 2016 gibt es mit

  • Automatisierung

ein weiteres horizontales Themenfeld, das im Rahmen der FTI Initiative “Automatisiert-Vernetzt-Mobil” eingeführt wurde, die programmübergreifend in den bmvit Programmen Mobilität der Zukunft, IKT der Zukunft und KIRAS umgesetzt wird.

In den Themenfeldern „Personenmobilität“ und „Gütermobilität“ steht die „In-Wert-Setzung“, d.h. gesellschaftliche Anwendung von Technologien und Innovationen im organisatorischen und sozialen Kontext des Mobilitätssystems im Vordergrund (systemische Innovationsfelder).

Die Themenfelder „Verkehrsinfrastruktur“ und „Fahrzeugtechnologien“ sind komplementär dazu auf spezifische Technologien und Akteure ausgerichtet (Technologiefelder).

Automatisierung“ als Querschnittsthema forciert die Forschung, Technologieentwicklung und das Testen von automatisiertem und vernetztem Fahren unter Nutzung von digitalen Testumgebungen in Österreich.

  • Urbane Mobilitätslabore

Forschungsprojekte können „aus eigener Kraft allein" ihre potenziellen Wirkungen im Sinne der Programmziele missionsorientierter Forschung des Programms aber oft nur unvollständig entfalten und gelangen nicht oder nur stark verzögert in die gesellschaftliche Praxis. Um Mobilitätsforschung von Anfang an stärker in einen realen Kontext einzubetten und damit auch die notwendigen forschungsflankierenden Prozesse und Strukturen zu unterstützen wurde die Initiative Urbane Mobilitätslabore (UML) ins Leben gerufen. Je nach thematischen Schwerpunkt kann die Forschung zu urbanen Mobilitätslösungen in Zukunft an fünf Urbane Mobilitätslabore in Österreich anknüpfen.

Die Themenfelder bilden die unterschiedlich gelagerten Ausgangsbedingungen, Bedarfslagen, aber auch Potentialfelder für Innovationen im Verkehrssystem ab. Um die Themen zu konkretisieren und Planbarkeit für die Forschungscommunities zu erzielen, wurden in bestimmten Themen unter Einbindung der jeweiligen Stakeholder Roadmaps erarbeitet:

Ziele des Programms Mobilität der Zukunft

Ziel des Programms "Mobilität der Zukunft" ist es, durch Forschung, Innovation und Technologie neue gesamthafte Lösungsansätze zu entwickeln. Um mobilitätsbezogene Veränderungsprozesse anzustoßen bzw. zu begleiten ist es erforderlich, dass das gesamte Verkehrssystem als Zusammenspiel zwischen Nutzer, Infrastruktur und Fahrzeug umfassend und integriert betrachtet wird.

Folgende Anliegen werden im Programm vorrangig verfolgt:

  • Klare Missionsorientierung: Durch das entstehende Wissen und die resultierenden Innovationen soll eine synergetische Verbindung zwischen FTI-Politik und Mobilitätspolitik entstehen.

  • Ganzheitlicher Mobilitätsfokus: ganzheitliche Lösungsansätze gehen weit über die physische Manifestation von Mobilität (Verkehr) hinaus und müssen auch vor- und nachgelagerte Bewusstseins- und Entscheidungsprozesse behandeln.

  • Nutzerorientierung und umfassender Innovationsfokus: Neben technologischen Innovationen rücken verstärkt soziale und organisatorische Innovationen in den Vordergrund.

  • Langfristiger thematischer Orientierungsrahmen: Neben der Impulssetzung steht eine kontinuierliche Förderung in strategischen Themenfeldern im Mittelpunkt.

  • Entwicklung themenübergreifender Ansätze: Ein Fokus wird auf umweltfreundliche Logistikkonzepte mit Einsatz ganz neuer Fahrzeugtechnologien sowie auf urbane Mobilitätslabore gelegt.

  • Forcierung programmbegleitender Maßnahmen: Diese dienen der Qualitätssicherung der Forschungsergebnisse, unterstützen die Implementierung und erhöhen die Sichtbarkeit.

  • Erhöhte Kooperationen: Ziel ist die Zusammenarbeit zwischen Themenfeldern und mit anderen Programmen sowie mit Initiativen auf nationaler und internationaler Ebene.

Das Programm Mobilität der Zukunft verfolgt verschiedene strategische Ziele in den Bereichen Gesellschaft, Umwelt, Wirtschaft und Forschung, zu denen die vier Themenfelder in unterschiedlicher Weise beitragen. Die folgende Grafik zeigt die Wirkungsbeiträge der Themenfelder zu den strategischen Zielen des Programms.  

Bilanz

Fördermaßnahmen

  • Insgesamt wurden im Rahmen von 8 Ausschreibungen 314 Projekte mit einer Gesamtsumme von rd. 70 Mio gefördert. Insgesamt waren 455 unterschiedliche Projektpartner beteiligt.
    Vom Gesamtförderungsbudget entfielen rd. 22 % auf Fahrzeugtechnologien, 17 % auf die Gütermobilität, 16 % auf die Personenmobilität und ca. 8 % auf die Verkehrsinfrastruktur. Die restlichen Anteile entfielen auf das Querschnittsthema Urbane Mobilitätslabore, internationale Kooperationen und Stiftungsprofessuren (im Diagramm zusammengefasst unter „Andere“)

  • Etablierung einer gemeinsamen finanzierten Verkehrsinfrastrukturforschung (VIF) mit ASFINAG und ÖBB mit einem Budget von 18 Mio € (Vergabe von F&E Dienstleistungen, Durchführung von vorkommerziellen Beschaffungen)

  • Implementierung von Innovationslaboren als neues Förderungsinstrument im Bereich der urbanen Mobilitätslabore und der Testumgebungen zum automatisierten Fahren

  • Im Rahmen der transnationalen Ausschreibungen (ERA-Net Transport, CEDR, MARTEC) wurden rd. 10 Mio € investiert. Über ERA-Net wurden 6 ERA-Net-Projekte mit einer Gesamtsumme von 2,06 Mio € gefördert; 12 unterschiedliche Partner waren involviert

Begleitmaßnahmen

  • Vergabe einer Stiftungsprofessur zur „Nachhaltigen Transportlogistik 4.0“ an das Konsortium um die Johannes Kepler Universität Linz mit den Partnern Logistikum der FH Oberösterreich, DB Schenker, Österreichische Post AG, Hödlmayer International AG, Pfeiffer HandelsgesmbH. Die Professur wird 2017 besetzt.

  • Zahlreiche Auftakt-, Vernetzungs- und Abschlussveranstaltungen bzw. -workshops

  • Einrichtung einer Kontaktstelle für automatisiertes Fahren bei der AustriaTech zur Beratung und Begleitung von Forschungs-und Testumgebungen



Eckdaten

  • Jährliches Budget: zwischen 15 und 20 Millionen €

  • Wirkungsbereich: vorwiegend Organisationen aus Österreich sowie ausländische PartnerInnen mit einem Budgetanteil von max. 20 %

  • Förderbare Zielgruppen: Universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Unternehmen, NGOs, Bedarfsträger inkl. Mobilitätsanbieter

  • Maßnahmen: halbjährliche Ausschreibungen mit thematischen Schwerpunktsetzungen im Wettbewerbsverfahren, Vernetzungsaktivitäten, Dissemination und Unterstützung zur Marktüberleitung

  • Förderbare Aktivitäten: vorwiegend kooperative und strategische Forschung mit anwendungsorientierter Ausrichtung, Dissertationen, alle Instrumente der FFG

  • Art der Förderung: anteilige Zuschüsse und Finanzierungen

Einen Überblick über das Programm gibt die Programmbroschüre - Mobilität der Zukunft (pdf 4,4 MB).

Mobilität der Zukunft und seine Vorgängerprogrammen haben seit 2002 bedeutende Forschungsergebnisse erzielt und wichtige Umsetzungsprojekte initiiert. 

Evaluierung

Mobilität der Zukunft wurde als „lernendes Programm“ konzipiert. 2012 wurde von einem Konsortium bestehend aus KMU Forschung Austria, Mandl Lüthi und Partner sowie Interface, eine Gesamtevaluierung der FTI Programme Intelligente Verkehrssysteme und -services IVS und IVSplus (Vorprogramme von Mobilität der Zukunft) durchgeführt.

Die wichtigsten Ergebnisse der Evaluierung sind:

In den beiden Programmen wurden bis zum Evaluierungszeitpunkt (2002 – 2011) rd. 450 F&E-Projekte mit F&E-Gesamtinvestitionen von rd. € 190 Mio. induziert. In IV2S und IV2Splus dominieren Projekte der angewandten Forschung (industrielle Forschung, experimentelle Entwicklung) gegenüber jenen der Grundlagenforschung deutlich. Die Evaluierung zeigt, dass diese Projekte ohne eine Förderung zum Großteil nicht hätten umgesetzt werden können, die Mitnahmeeffekte somit gering sind. Ebenso bestehen für die Durchführung dieser Projekte nur bedingt alternative Fördermöglichkeiten in anderen weniger spezialisierten Programmen.

Aus dem Programm IV2S konnte bereits eine relativ große Zahl der Projekte wirtschaftliche Effekte erzielen (insbesondere Erlöse bei etwa jedem vierten Projekt, aber auch Patente, Nutzungslizenzen, Kosten- und Ressourceneinsparungen), wenngleich diese häufig (noch) punktuellen Charakter haben und ihre Nachhaltigkeit abzuwarten bleibt. Die wirtschaftlichen Effekte der IV2Splus-Projekte waren zum Zeitpunkt der Evaluierung naturgemäß noch begrenzt. Erste Erfolge in Bezug auf realisierte Umsätze (im Inland) und Patentanträge konnten von jeweils rd. 10 % der Projekte bereits verbucht werden.

Wissenschaftliche Wirkungen wie Publikationen und Vortragstätigkeit ließen sich demgegenüber rascher und umfassender realisieren. Vor allem Forschungseinrichtungen haben in vielen Fällen die Ergebnisse ihrer geförderten Projekte in dieser Weise bereits umgesetzt. Das Einwerben von weiteren Fördermitteln für an die IV2S-Projekte anschließende Forschungsvorhaben ist in über einem Drittel der Fälle gelungen, bei den IV2Splus-Projekten bislang in rd. einem Fünftel. In nur geringem Ausmaß erfolgt dies allerdings durch Nutzung von EU-Programmen. Insgesamt wird die Forschung eines IV2S oder IV2Splus Projektes in rd. 70 % der Fälle nach Abschluss des Förderprojekts fortgesetzt.

In Bezug auf die Mobilisierung der Zielgruppe bzw. die Teilnehmerstruktur konnten die Programme die angestrebte Beteiligung der Wirtschaft (des Unternehmenssektors) im Ausmaß von 60 % zwar hinsichtlich der Teilnahmefälle erreichen, in IV2Splus aber nicht gemessen an den Fördermitteln. Dieses Muster ist auf eine relativ höhere Beteiligungsintensität – mehr Konsortialführungen, höhere Fördersätze – der Forschungseinrichtungen zurückzuführen. Erreicht werden konnte auch die angestrebte Beteiligung von KMU im Ausmaß von 40 % der Teilnahmefälle. Im Programm finden sich einige große Kernakteure mit hoher Beteiligung und hohen Anteilen an den gesamten Fördermitteln. Damit verbundene etwaige Verdrängungseffekte scheinen jedoch begrenzt zu sein. Zudem konnte die im Programm angestrebte laufende „Newcomer-Rate“ übertroffen werden.

Die Vernetzung der Community und die Stärkung bzw. Erweiterung von Kooperationen, insbesondere transsektoraler Natur (Wirtschaft – Wissenschaft), ist eine wesentliche Stärke der Programme IV2S und IV2Splus. Kooperationen sind aus Sicht der Projektträger dabei nicht nur eine notwendig zu erfüllende Förderbedingung, sondern ein oft genannter wichtiger Erfolgsfaktor der Projekte. Die Qualität der Projektkooperationen scheint in IV2Splus gegenüber IV2S weiter angestiegen zu sein. Dies zeigt zum einen die Tatsache, dass die oben genannten wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Wirkungen in IV2Splus nun auch vermehrt den Projektpartnern zukommen und nicht etwa nur ausschließlich den Konsortialführern.

Zum anderen ist auch die Nachhaltigkeit der Projektkooperationen in IV2Splus gestiegen: Die Fortsetzung der Forschungsarbeiten nach Abschluss der Projekte erfolgt in über der Hälfte der Fälle zusammen mit den Projektpartnern. Als besonders effektiv wurde vor allem die Zusammenarbeit mit Anwendern und jene interdisziplinärer Natur eingeschätzt. Die Programme haben auch zur Entstehung einer Vielzahl neuer Kooperationen mit Unternehmen außerhalb des eigentlichen Verkehrssektors geführt. Bedeutung und Ausmaß internationaler Partnerschaften sind in den Programmen allerdings relativ schwach – auch vor dem Hintergrund der Internationalität der Verkehrstechnologie und -märkte.

Die Empfehlungen der Evaluierung wurden im FTI Programm Mobilität der Zukunft eingearbeitet. So wurden länderübergreifende Kooperation durch die Durchführung transnationaler Ausschreibungen im Rahmen des ERA-Net Transport forciert. Das bmvit hat sich an den beiden Flagship-Calls (Future Travelling, Sustainable Logistics & Supply Chains) federführend und mit über 3 Mio. € und 6 Projekten substanziell beteiligt. Electromobility+ und ERA-Net Cofund Electric Mobility Europe (EMEurope) bilden weitere Eckpfeiler zur Stärkung transnationaler Kooperationen im Mobilitätsbereich. 

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