MigRad - Migrantinnen erobern das Fahrrad

Migrantinnen nehmen derzeit unterdurchschnittlich am Radfahren teil. Forschungen zu den Ursachen dafür und zu möglichen Förderbedingungen lagen kaum vor.

Kurzbeschreibung

Ausgangssituation/Motivation

Das Forschungsprojekt hat unter Einbeziehung von Migrantinnen sondiert, welches Bedürfnispotenzial für alltägliches Radfahren sich bei Frauen aus Drittstaaten beschreiben lässt, welche Bereitschaft es für eine finanzielle Eigenbeteiligung in der Zielgruppe gibt, welche Rolle Gesundheit/Krankheit für das Radfahren spielen, welche Barrieren für die Alltagsnutzung des Rades bestehen. Ziel war es, Chancen für dauerhafte innovative Raddienstleistungen für Migrantinnen auszuloten und zielgruppenspezifische Ideen zu sammeln.

Inhalte und Zielsetzungen

Das Projekt leistete einen Beitrag, diese Forschungslücke zu schließen und zielgruppenadäquate Fördermodule zu entwickeln.

Methodische Vorgehensweise

Im Projekt wurden mittels qualitativer Interviews, Fokusgruppen und eines Kurzfragebogens Frauen aus der Türkei, Afghanistan, Pakistan, Somalia, Nigeria, Äthiopien, Kosovo, Serbien, Tschetschenien und Bosnien nach ihren biographischen Mobilitätserfahrungen befragt. In einem Workshop mit GesundheitsexpertInnen wurde zudem der Zusammenhang zwischen Gesundheit und aktiver Mobilität bei der Zielgruppe analysiert. Außerdem wurden Migrantinnen in aktuellen Radlernkursen beobachtet und nach ihren Erfahrungen und weiteren Mobilitätswünschen befragt.

Ergebnisse und Ausblick

Im Ergebnis der Untersuchung wurde belegt, dass das Interesse am Radfahren unter Migrantinnenweitaus verbreiteter ist als bisher angenommen. Gleichzeitig wurde belegt, dassdas Radfahren von Migrantinnen aus Drittstaaten durch eine Vielfalt sich überlagerndersozio-ökonomischer und kultureller Barrieren behindert wird (siehe Abbildung). Besondershinderlich ist, dass viele Frauen das Radfahren in ihrer Kindheit nicht erlernen konntenund dass sie über kein eigenes Rad verfügen. Letzteres gilt selbst dann, wenn die Frauenals Erwachsene an einem Radkurs teilgenommen haben und das Radfahren nachholenderlernten. Im aktuellen Folgeprojekt wird derzeit untersucht, ob Bike Sharing Angebotegenutzt werden können, um radinteressierte Migrantinnen, die kein eigenes Rad kaufen(können), den Zugang zum Radfahren zu erleichtern.

Wirkung

Die im Projektes erarbeitete Expertisewurde an diverse Organisationen weitergeben,die sich entweder mit Mobilitätoder/und mit Integration befassen. Daruntersind die Mobilitätsagentur, die WiG,diverse MigrantInnenvereine, der ÖAMTCund diverse Arbeitsgruppen. Der Nachweisvon nachhaltigen Bedarfen an Radkursenunter Migrantinnen sowie die Darstellung weiterführender Fördernotwendigkeiten hat die Arbeit radfördernder Organisationen in ihrer konzeptionellen Arbeit unterstützt. Es entstanden Kooperationsbeziehungen, über die wissenschaftliche Expertise auch zukünftig an radfördernde AkteurInnen fließt.

Umsetzung

Die Mobilitätsagentur Wien bemüht sich, auch gestärkt durch die Sondierungsergebnisse, über die bisherige Pilotphase hinaus um nachhaltige Förderstrukturen für Radkurse in Wien. In Wien gibt es inzwischen zwei Radkursanbieter für Migrantinnen: Radlobby sowie ÖAMTC. MigrantInnenvereine vermitteln diese Radkurse an interessierte Migrantinnen.

 

Publikationen

Projektbeteiligte

Projektleitung

Institut für Höhere Studien Wien (IHS)
Dr. Astrid Segert

Projektpartner

Institut für Frauen- und Männergesundheit
Mag. Hilde Wolf

Caritas der Erzdiözese Wien, Caritas Bildungszentrum
Dr. Karl Bader

IG Fahrrad
Mag. Alexander Hager

Kontaktadresse

Institut für Höhere Studien Wien (IHS)
Dr. Astrid Segert

Tel.: +43-01-59991-213
Fax: +43-01-59991-555
E-Mail: segert@ihs.ac.at

Dieses Projekt wurde im Rahmen des Programms "Mobilität der Zukunft" vom bmvit finanziert.

Weiterführende Informationen finden Sie im Infonetz der FFG.

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