Lehrstuhl „Nachhaltige Transportlogistik 4.0“ an der JKU forscht an autonomen Fahren

Autonomes Fahren schreitet voran, aber offene Fragen gibt es nicht nur in der technischen Implementierung, sondern auch beim Zusammenwirken von Mensch und Maschine. Dazu wird an der Johannes-Kepler-Universität in Linz geforscht.

Mit der Stiftungsprofessur, die im Rahmen des FTI-Programmes Mobilität der Zukunft ausgeschrieben wurde, möchte das BMK am Innovationsstandort Österreich Wissen zum Schwerpunkt „Nachhaltige Transportlogistik 4.0" aufbauen und darin Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft weiter stärken. Konkret adressiert die Stiftungsprofessur den Aufbau von Kompetenzen im Bereich der Transportlogistik, die sich um die Integration von neuen Technologien vor allem in Bezug auf Industrie 4.0 im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge und intelligenten Verkehrssystemen und -diensten in die Anwendungsfelder der Transportlogistik mit dem Ziel der Nachhaltigkeit bemühen.

Cristina Olaverri-Monreal

Die Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU) konnte sich mit mitfinanzierenden Partnerinnen und Partnern erfolgreich um diese Stiftungsprofessur bewerben. Die Stiftungsprofessur wurde im Oktober 2018 mit Univ.-Prof. Dr. Cristina Olaverri Monreal besetzt. Mitfinanzierende Partnerorganisationen sind die Österreichische Post AG, IAV GmbH (DE), IAV S.A.S.U. (FR) und FH Technikum Wien.

Forschung zu Autonomen Fahren

Im Rahmen dieses Lehrstuhls wird unter anderem rund um das Thema „Autonomes Fahren" geforscht. Spannend ist dabei nicht nur die technische Implementierung, sondern auch das Zusammenwirken von Mensch und Maschine. In diesem Zusammenhang werden die verschiedenen Faktoren identifiziert, welche die Nutzung von automatisierten Funktionen beeinflussen. Der größte Teil der bisher durchgeführten Forschung beruht auf laborgesteuerten Bedingungen mit Fahrsimulatoren, da sie eine sichere Umgebung für die Prüfung fortschrittlicher Fahrassistenzsysteme (ADAS) bieten.

Derzeit werden beispielsweise in den ÖAMTC Fahrtechnik Zentren in Teesdorf und in Marchtrenk Toyota-PKWs mit erweiterter Autonomie in realer Umgebung getestet.

Der Lehrstuhl

  • ...analysiert das Verhalten von FahrerInnen, die in einer realen Fahrumgebung die Kontrolle über ein automatisiertes Fahrzeug übernehmen müssen.
  • ...bewertet die Systemleistung in Situationen, für die der automatische Betrieb nicht definiert wurde und untersucht deren Auswirkungen auf die Gesamtfahrleistung, insbesondere die Reaktionszeit des/r FahrerIn bei einem TOR (Take Over Request).
  • ...analysiert Interaktionen mit anderen selbstfahrenden Fahrzeugen und FußgängerInnen. Mit Hilfe modernster visueller Erkennungstechnik werden FußgängerInnen erkannt und mit Hilfe von Stereokamerasysemen analysiert, ob der/die FußgängerIn das Fahrzeug bemerkt.
  • ...untersucht das Verhalten der VerkehrsteilnehmerInnen mit Hilfe von Fahrdaten, wobei der Schwerpunk auf dem Bewusstsein und der Diagnose der Straßensituation im Mittelpunkt steht.

„Die Ausstattung macht die Kontrolle des/r FahrerIn über das Fahrzeug in vielen Szenarien überflüssig, obwohl eine Fahrübernahme möglich und manchmal erforderlich ist. Wir ermitteln die Auswirkungen eines solchen Systems auf der/die FahrerIn und dessen Fahrleistung", erklärt Olaverri Monreal.

Die verwendete Technologie besteht aus verschiedenen Sensoren, unter anderem Kameras und ein Augenerfassungssystem der Firma Viewpointsystem GmbH. „Das Fahrzeug ist mit einem LIDAR („Light Detection and Ranging") ausgestattet und demonstriert damit auch praktische Anwendungsfelder photonischer Technologien", sagt Gerd Christian Krizek von der FHTW, der die Kooperation des Lehrstuhls an der JKU mit der FH Technikum Wien koordiniert und Mitglied des Stifterbeirats ist. „Dies ermöglicht den Zugang für Studierende der FHTW zu State of the Art Technologien in Lehre und Projektarbeiten."

Die Hochschulleitung der FHTW nutzte die Gelegenheit, um das Fahrzeug mit seinen Systemen in Augenschein zu nehmen. „Durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen ist es möglich, dass hier anhand der neuesten Technologie gelehrt und geforscht wird", sagt Rektor Fritz Schmöllebeck von der FH Technikum Wien.

 

Weitere Informationen zu diesem Thema unter:

https://www.jku.at/institut-fuer-produktions-und-logistikmanagement/ueber-uns/team/cristina-olaverri/

https://www.jku.at/intelligent-transport-systems/videos/

Promoting trust in self-driving vehicles

 

Datum Veröffentlichung: 30.03.2021