Erkenntnisse zum Onlineshopping - Potentiale virtueller Mobilität “PoviMob”

Das Projekt „PoviMob“ (Potentiale virtueller Mobilität) beschäftigte sich mit Maßnahmen für eine bestmögliche Verknüpfung virtueller & physischer Mobilität.

Der österreichische Verkehrssektor ist der größte Emittent von Treibhausgasemissionen außerhalb des Emissionshandels. Digitalisierung, Automatisierung und Konnektivität eröffnen im Verkehrsbereich neue Möglichkeiten und können dazu beitragen, physisches Verkehrsaufkommen und damit Treibhausgasemissionen zu reduzieren und Mobilitätsbedürfnisse im virtuellen Raum zu befriedigen.

Die F&E Dienstleistung „PoviMob" (Potentiale virtueller Mobilität) beschäftigte sich mit Maßnahmen für eine bestmögliche Verknüpfung virtueller & physischer Mobilität. Untersucht wurden Potentiale zur Intensivierung virtueller Mobilität als Möglichkeit, physisches Verkehrsaufkommen zu verringern und gleichzeitig die gewünschte Mobilität und die damit verbundenen Bedürfnisse zu. Nachfolgende Informationen zu den Projektergebnissen basieren auf dem Endbericht Povimob, welcher auch auf der FFG Projektdatenbank veröffentlicht ist.

Schon heute werden zahlreiche Aktivitäten im virtuellen Raum gesetzt und reduzieren so das physische Verkehrsaufkommen. Beispielhaft genannt werden können die Erledigung von Bankgeschäften (Onlinebanking), Einkaufen (Onlineshopping), Arbeiten (Homeoffice), Meetings und Konferenzen (Tele-Conferencing) oder Aus- und Weiterbilden (e-Learning, Teleschooling). Bei zukünftigen Entwicklungen scheinen den möglichen Anwendungsbereichen virtueller Mobilität technisch keine Grenzen gesetzt.

In der Projektarbeit wurde zunächst eine umfassende Liste möglicher Ausgestaltungsformen virtueller Mobilität erstellt und in zwei Expertinnen Workshops mit rund 30 TeilnehmerInnen (inkl. Projektteam) diskutiert. Die ExpertInnen kamen dabei zum Ergebnis, dass Homeoffice, Tele-Conferencing und Onlineshopping jene drei Ausgestaltungsformen virtueller Mobilität sind, die in naher Zukunft die größten Auswirkungen auf physisches Verkehrsaufkommen erwarten lassen.

In der folgenden Zusammenfassung der Ergebnisse wird auf die Darstellung der Auswirkungen von Onlineshopping fokussiert.

Ergebnisse Qualitativer Analyse

Die Kernergebnisse der qualitativen Analyse der Bevölkerungsbefragung ergaben, dass zu erwarten ist, dass sich der Anteil von Onlineshopping in den kommenden 10 bis 20 Jahren von derzeit 36 % auf 49 % erhöhen wird. Der darauffolgenden Wirkungsmodellierung wurde somit zugrunde gelegt, dass sich der gegenwärtige Anteil des Onlineshopping noch um mehr als ein Drittel (36 %) erhöht.

Diesen Trend untermauern auch Ergebnisse zur Akzeptanz von Onlineshopping, die im Rahmen der Befragung 2020 erhoben wurden. Dabei verbuchte Onlineshopping insgesamt mit Abstand die höchste Akzeptanz der vier Themenbereiche (Telearbeit, virtuelle Erlebnisse, Videokonferenzen), wobei diese bei der „allgemeinen Akzeptanz" noch etwa gleichauf mit Telearbeit und Videokonferenzen lag. Die allgemeine sowie die selbstbezogene Akzeptanz von Onlineshopping war schon vor Corona „mittelhoch" gewesen und ist seit der Covid-19 Krise noch weiter angestiegen.

Insgesamt zeigt sich ein starkes Wachstum im Online Handel: Von den gesamten, einzelhandelsrelevanten Konsumausgaben fließen 10 % in den Internet-Einzelhandel. Die rund 9000 heimischen Webshops profitieren vom wachsenden Markt allerdings nur begrenzt, da mehr als jede/r Zweite im Ausland bestellt und so den Kaufkraftabfluss verschärft.

Interessant ist auch die Betrachtung der Aufteilung des Marktes nach Altersgruppen. Die Generation der 19–24-Jährigen tätigt bereits mehr als die Hälfte ihrer Ausgaben im Internet. Hingegen tätigen die Babyboomer (56–79 Jahre) noch knapp zwei Drittel ihrer Ausgaben stationär. Die Tendenz ist jedoch in allen Altersgruppen steigend (KPMG 2020).

Im zweiten Quartal 2020, am Höhepunkt der behördlichen Einschränkungen im Zuge der Corona Ausbreitung, war der Umsatz im deutschen Versand- und Onlinehandel um 29 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen, der Umsatz in der Branche E-Food hat sogar um 90 % (KPMG 2020) zugelegt.

Ergebnisse Quantitative Analyse

Zur Quantifizierung des ökologischen Wirkungspotentials von verstärktem Onlineshopping wurde zunächst die Entwicklung des Marktes im Kurier-, Express- und Paketdienste-Bereich analysiert. Dem gegenüber stehen konstant niedrige Zuwachsraten bei den privaten Konsumausgaben in Österreich entsprechend der Inflation bzw. dem Bevölkerungswachstum. Auch der Anteil der KäuferInnen, die bestellte Ware wieder retourniert haben, ist vergleichsweise konstant. Dies erlaubt die Schlussfolgerung einer signifikanten Verlagerung von stationären zu online getätigten Einkäufen.

Für die Wirkungsmodellierung von verstärktem Onlineshopping wurden die Ergebnisse der themenspezifischen Forschungsarbeit eComTraf – Auswirkungen von E-Commerce auf das Gesamtverkehrssystem aus dem Jahr 2015 herangezogen. Diese wurden auf Basis aktueller Entwicklungen im Kurier-Express-Paket-Bereich aktualisiert und mit den Befragungsergebnissen, denen zufolge eine weitere Steigerung des derzeitigen Sendungsaufkommens im B2C und C2C-Bereich um 36 % bis 2035 angenommen wird, überrechnet.

Auf diese Weise wurde ein jährliches Potential zur Einsparung von Treibhausgasemissionen als Folge einer reduzierten PKW-Fahrleistung im stationären Einkauf von bis zu 175 Kilotonnen Co2-Äquivalenten ermittelt. Der bedeutendste Rebound-Effekt im Zusammenhang mit Onlineshopping ist augenscheinlich und liegt im Anstieg der Fahrleistung im Lieferverkehr. Dieser Anstieg hat zur Folge, dass sich das theoretische Einsparungspotential von verstärktem Onlineshopping auf maximal 50 Kilotonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr reduziert. Das entspricht lediglich 0,25 % der verkehrsbedingten THG-Emissionen in Österreich.

Handlungsempfehlungen

Die Autoren des Berichtes konzentrieren ihre Handlungsempfehlungen vor dem Hintergrund steigender Nachfrage vorallem auf zwei Bereiche:

  • Setzung von Maßnahmen, die zur Reduktion des Lieferverkehrsaufkommens beitragen. Beispielhaft genannt werden können anbieterübergreifende Konzepte (z. B. „White-Label"-Hubs) in Kombination mit optimierter Routenplanung zur Auslastungserhöhung und Reduktion der Routenlängen.
  • Setzung von Maßnahmen, die zur Reduktion der Emissionen aus dem Lieferverkehr beitragen. Beispielhaft genannt werden kann der Einsatz von emissionsfreien Lieferfahrzeugen oder der Einsatz von Transportfahrrädern in Kombination mit „Micro-Hubs".

Die F&E Dienstleistung wurde im Rahmen der 12. Ausschreibung von Mobilität der Zukunft im Themenfeld Personenmobilität finanziert und vom Umweltbundesamt und vom Motiv- & Mobilitätsforschung (Mipra) durchgeführt.